Sorbisch

Deutsch-Sorbisch Grammatik Sorbisch-Deutsch

1. Einordnung

BabylonSorbisch gehört gemeinsam mit dem Polnischen, Slowakischen und Tschechischen zur westslawischen Sprachengattung, slawische Sprachenuntergruppe, baltoslawische Sprachengruppe, nordeuropäischer Sprachenzweig, indoeuropäische Sprachenfamilie, indouralischer Sprachenstamm.

2. Verbreitung

Sorbisch wird in einigen Gebieten des Spreewaldes und der Lausitz im Osten Deutschlands von etwa 70'000 Menschen gesprochen. Es ist dort gleichberechtigt mit dem Deutschen. Allerdings wird es nur noch von wenigen tatsächlich als Primärsprache verwendet. Für die meisten Sorben ist das Sorbische nur noch Kultursprache und Symbol ihrer nationalen Identität, auf die sie großen Wert legen.
Etwa 50'000 Menschen sprechen Obersorbisch. Ihr Hauptsiedlungsgebiet wird von den Orten Löbau, Bautzen, Bischofswerda, Kamenz, Hoyerswerda, Senftenberg, Spremberg, Weißwasser und Niesky begrenzt. Das eigentliche obersorbische Kerngebiet jedoch, wo Sorbisch tatsächlich noch sogar von der Jugend als Umgangssprache verwendet wird, besteht heute aus den sehr konservativen katholischen Dörfern im Dreieck Kamenz - Bautzen - Hoyerswerda, speziell Crostwitz (Chrósćicy), Panschwitz-Kuckau (Pančicy-Kukow), Ralbitz (Ralbicy) und Radibor (Radwor). Politisches Zentrum ist Bautzen (Budyšin).
Niedersorbisch wird nur von etwa 20'000 Menschen gesprochen.

3. Entwicklung

Das Sorbische entwickelte sich als tschechischer Dialekt aus dem Altslawischen und erfuhr daher die gleichen Veränderungen. Die ältesten sorbischen Wörter wurden in der Chronik Thietmars von Merseburg um 1000 erwähnt, als das Siedlungsgebiet der Sorben sich noch über große Gebiete östlich und entlang der Elbe erstreckte. Der älteste sorbischsprachige Text ist der Bürger Eyd Wendisch aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Durch die politische Trennung von Böhmen entwickelte sich im Folgenden ein eigenes sorbisches Schrifttum, wobei im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur unterschiedliche Schriftsprachen für Obersorbisch und Niedersorbisch geschaffen wurden, sondern auch zwei unterschiedliche für das Obersorbische - eine katholische und eine evangelische. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine einheitliche obersorbische Schriftsprache geschaffen, die sich erst Anfang des 20. Jahrhunderts durchsetzen konnte.
Die geographische und kulturelle Nähe und der Kontakt mit den Tschechen führte trotz aller sprachlichen Eigenständigkeitsbekundungen der Sorben dazu, dass Sorbisch faktisch ein Dialekt des Tschechischen blieb, so dass eine gegenseitige Verständigung problemlos möglich ist. Der strenge Nationalismus der Sorben führte jedoch dazu, dass sie ihre Sprache nicht als tschechischen Dialekt anerkennen, sondern als eigenständige Sprache verstanden wissen wollen. Die nationalistische Eigenbrödelei der Sorben geht auch heute noch so weit, dass sich Obersorben und Niedersorben nach wie vor jeweils eine "eigene" Sprache leisten und es daher keine gemeinsame sorbische Hochsprache, sondern zwei Schriftsprachen gibt. Auch wenn der Einfluss des Sorbischen aufgrund der Erfordernisse moderner Kommunikation weiter sinken wird, wird es daher auch weiterhin eine lebendige Kultursprache bleiben.

4. Struktur

4.1. Wortschatz

Der Grundwortschatz des Sorbischen ist slawisch. Durch die lange Zugehöhrigkeit der sorbischsprachigen Gebiete zum Deutschen Reich gibt es aber auch einen gewissen deutschen Eintrag. Die moderneren Einflüsse aus dem Französischen, Russischen und Englischen, die es im Tschechischen gibt, fehlen im Sorbischen aber im Wesentlichen, weil Sorbisch schon länger nur als Kultursprache verwendet wird, womit die simultane Verwendung des Deutschen die Übernahme modernerer Begriffe unnötig gemacht hat.
Tschechisch, Slowakisch und Sorbisch sind sich sehr ähnlich, so dass es keinerlei Verständigungsschwierigkeiten gibt. Der Wortschatz ist nahezu derselbe, von Regionalismen abgesehen.

4.2. Phonetik

Der Lautbestand des Sorbischen entspricht weitgehend dem Tschechischen, wobei es in der Aussprache der Wörter einige unwesentliche Unterschiede gibt. Ebenso gibt es einige kleinere Variationen zwischen Ober- und Niedersorbisch.

4.3. Orthografie

Sorbisch wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Weil es aber wie alle slawischen Sprachen über wesentlich mehr Laute verfügt, als das lateinische Alphabet Buchstaben aufweist, werden diakritische Zeichen verwendet. Die Schreibung des Sorbischen ist relativ streng phonetisch. Daher existieren auch eigentlich zwei unterschiedliche Schriftsprachen für das Obersorbische und das Niedersorbische, wobei die Unterschiede aber wiederum nur gering sind.

4.4. Grammatik

Auch die Grammatik des Sorbischen entspricht mit wenigen Variationen dem Tschechischen. Es besitzt also ein reichhaltiges Flexionssystem und daher eine sehr freie Satzstellung.


Literaturtipps

Die Literatur zum Erlernen und Übersetzen des Sorbischen ist sehr begrenzt. Für das Obersorbische ist Obersorbisch im Selbststudium eine der wenigen allgemein zugänglichen Möglichkeiten, für Niedersorbisch gibt es Niedersorbisch praktisch und verständlich.

Obersorbisch (26160 Byte) Niedersorbisch (50551 Byte)

Auch Wörterbücher für das Sorbische sind nur schwer allgemein erhältlich. Am besten ist es da immer noch, sich direkt an den Domowina Verlag der sorbischen Kulturvereinigung zu wenden, der auch einen Direktvertrieb betreibt.


Elektronische Taschenübersetzer für viele Sprachen, wenn auch nicht für Sorbisch, gibt es bei Ectaco.
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