Polnisch

Deutsch-Polnisch Grammatik Polnisch-Deutsch

1. Einordnung

BabylonPolnisch gehört gemeinsam mit dem Tschechischen, Slowakischen und Sorbischen zur westslawischen Sprachengattung, slawische Sprachenuntergruppe, baltoslawische Sprachengruppe, nordeuropäischer Sprachenzweig, indoeuropäische Sprachenfamilie, indouralischer Sprachenstamm.

2. Verbreitung

Polnisch ist die Nationalsprache in Polen, wo es von etwa 42 Millionen Menschen gesprochen wird. Außerdem gibt es polnischsprachige Minderheiten in Russland, Belorus, der Ukraine, den USA, Kanada, Deutschland und Frankreich. Diese bis zu 10 Millionen Menschen werden sprachlich aber immer mehr durch die dortigen Landessprachen assimiliert, so dass Polnisch oft nur noch von den Älteren als Primärsprache gesprochen wird, während es für die meisten nur noch Sekundärsprache ist oder sogar nur noch eine Kultursprache darstellt.
Neben der polnischen Hochsprache existiert eine Anzahl von Dialekten, so Kleinpolnisch im Süden um Krakau, Schlesisch im Südwesten, Masowisch im Nordosten um Warschau, Großpolnisch im Zentrum und im Norden, sowie Kaschubisch im Norden.

3. Entwicklung

Das Polnische entwickelte sich parallel zum Tschechischen aus dem Altslawischen. Das Tschechische galt dabei bis ins 15. Jahrhundert als Hochsprache und wurde als Schriftsprache verwendet. Jedoch vollzog sich in den polnischen Dialekten eine stärkere Lautverscheibung, die zum Verlust einiger westslawischer Laute führte, während die ursprünglich slawischen Nasalvokale, die in allen anderen slawischen Sprachen verschwanden, erhalten blieben. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich das Polnische zur Schriftsprache und festigte sich als Mittel politischer Abgrenzung. So verbreitete sich die schriftlich fixierte Hochsprache vom Klerus über den Adel und das Bürgertum.
Trotz der Aufteilung Polens und den Versuchen der Besatzungsmächte, Deutsch und Russisch zu etablieren, blieb Polnisch eine Hoch- und Schriftsprache, die sich im aufkommenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts weiter festigte. Dabei gab es jedoch Einflüsse des Deutschen und Russischen auf den Wortschatz, während Polnisch selbst Einfluss auf die benachbarten ostslawischen Sprachen Belorussisch und Ukrainisch ausübte. Das hat dazu geführt, dass Russisch und Polnisch durch einen fast kontinuierlichen Übergang miteinander verbunden sind, der durch eine Reihe abgestufter russischer, belorussischer, ukrainischer und polnischer Dialekte vermittelt wird.
In neuerer Zeit ist der Einfluss des Deutschen durch die neue politische Nähe wieder gewachsen. Besonders groß ist aber der Eintrag englischen Wortschatzes infolge moderner Entwicklungen im technischen und kulturellen Bereich.

4. Struktur

4.1. Wortschatz

Der Grundwortschatz des Polnisch ist slawisch. Durch die lange Zeit bestehende Vorherrschaft der tschechischen Schriftsprache existieren viele mitteltschechische Lehnwörter, wobei die Grenze zwischen original slawischen Wörtern und tschechischen Lehnwörtern oft schwer zu ziehen ist. Auch mittelhochdeutsche und lateinische Worteinträge kommen in erheblicher Zahl vor, während in den letzten Jahrhunderten einige russische, weißrussische, ukrainische und französische Wörter übernommen wurden. Infolge der Internationalisierung sind es aktuell besonders englische Begriffe, die sich im polnischen Wortschatz neu etablieren.

4.2. Phonetik

Polnische Wörter werden fast immer auf der vorletzten Silbe betont. Der Lautbestand ähnelt im Grunde dem anderer slawischer Sprachen, jedoch hat das Polnische einige westslawische Laute, wie den stimmhaften r-Laut und den harten l-Laut, verloren. Auch die unterschiedliche Länge der Vokale ist verloren gegangen, während Polnisch als einzige slawische Sprache noch über Nasalvokale verfügt. Das Polnische ist besonders reich an Zischlauten, was darauf zurückzuführen ist, dass einige andere Laute sich in der sprachlichen Entwicklung in Zischlaute verwandelt haben.
Die typisch slawische Unterscheidung zwischen harten und weichen Konsonanten gibt es in der gesprochenen Sprache nicht mehr. Diese Entwicklung hat wesentlich zur starken Vereinfachung des polnischen Lautsystems beigetragen.

4.3. Orthografie

Polnisch wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben, wobei 5 Vokale und 35 Konsonanten unterschieden werden. Zur Bezeichnung der über das lateinische Alphabet hinausgehenden Laute werden neben diakritischen Zeichen auch Buchstabenkombinationen aus zwei Buchstaben verwendet. Die Schreibung des Polnischen ist zwar im Wesentlichen phonetisch, jedoch werden einige Laute auch heute noch unterschiedlich geschrieben, obwohl sie inzwischen gleich klingen. Das trifft vor allem auf die sogenannten historisch weichen und historisch harten Laute zu, die nur noch in der Schrift unterschieden werden. Die Zuordnung der Laute zur Schrift ist dabei problemlos, während es umgekehrt daher Uneindeutigkeiten gibt.

4.4. Grammatik

Von den ursprünglich acht indoeuropäischen Fällen der Substantive hat das Polnische noch sieben erhalten. Außerdem gibt es bei den Substantiven und damit übereinstimmend bei den Adjektiven drei Geschlechter, männlich, weiblich und sächlich. Polnisch verfügt über einen Singular und einen Plural, während der alte Dual vollständig verschwunden ist. Im Plural wird zusätzlich zu den drei Geschlechtern das männliche Geschlecht noch einmal nach Belebtheit oder Unbelebtheit unterschieden.
Auch die Konjugation der Verben ist noch sehr stark ausgeprägt, wobei es die drei Zeiten Vergangenheit, Präsens und Futur gibt, wohingegen die alten Formen Aorist, Imperfekt und Plusquamperfekt wie in den anderen westslawischen Sprachen verschwunden sind.
Da Polnisch eine stark flektierende Sprache ist, in der die grammatikalische Funktion der Wörter durch die Flektion vollständig beschrieben ist, ist die Wortstellung im Satz relativ frei und kann als Ausdrucksmittel verwendet werden.


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