Französisch

Deutsch-Französisch Grammatik Französisch-Deutsch

1. Einordnung

BabylonFranzösisch gehört zur romanischen Sprachengruppe, italischer Sprachenzweig, indoeuropäische Sprachenfamilie, indouralischer Sprachenstamm.

2. Verbreitung

Französisch ist die Nationalsprache in Frankreich. In Kanada existiert eine starke französischsprachige Minderheit von Nachkommen französischer Kolonisten. Im Gegensatz zum Englischen, Spanischen oder Portugiesischen blieb Französisch in den Kolonien Frankreichs aber immer eine Fremdsprache und setzte sich nirgends als Nationalsprache durch. Jedoch dient es in vielen Staaten Afrikas noch immer als interkontinentale Verkehrssprache, offizielle Verwaltungssprache und Sprache der höheren Bildung. Insgesamt verwenden etwa 76 Millionen Menschen Französisch als Primärsprache, weitere 110 Millionen Menschen als Sekundärsprache. Durch seine Verbreitung in den ehemaligen französischen Kolonien und durch sein historisches Ansehen ist Französisch auch heute noch eine der großen Weltsprachen. Seine Rolle als Sprache der Wissenschaft und Diplomatie hat es jedoch inzwischen verloren, und auch als internationale Verkehrssprache ist es nur noch in den direkt französisch beeinflussten Gebieten verwendbar.

3. Entwicklung

Der Ursprung des Französischen ist, wie bei anderen romanischen Sprachen, die lateinische Volkssprache, in diesem Fall die Sprache der römischen Provinz Gallien. Die germanischen Westgoten, Burgunder und Franken, die die Provinz Gallien eroberten, übernahmen die lateinische Volkssprache (lingua vulgaris) der latinisierten Gallier. Während sie dabei selbst nur wenige Wörter ihrer Sprachen einbrachten, veränderten sie jedoch die Aussprache und Grammatik dramatisch, so dass sich das neu entstandene Galloromanische (lingua rustica romana) im 7. Jahrhundert bereits erheblich von der lateinischen Ursprache unterschied. Durch einen Erlass Karls des Großen, der der Kirche vorschrieb, ihre Predigten künftig in der Volkssprache, statt in Latein, zu halten, wurde die Stellung des neu entstehenden Französischen im 8. Jahrhundert erheblich gestärkt und seine endgültige Loslösung vom Lateinischen besiegelt.
Stärkeren Einfluss auf den Wortschatz hatten bereits ab dem 6. Jahrhundert die griechischen Mittelmeerkolonien, speziell die bei Marseille und Nizza. Trotzdem ist die Differenzierung verschiedener Dialekte innerhalb des Französischen, die bereits damals begann, eher auf die unterschiedliche germanische Besiedelung und die politische Zersplitterung Frankreichs zurückzuführen. Dabei bildete die Loire die Grenze zwischen den nördlichen Dialekten der langue d'oïl und den südlichen Dialekten der langue d'oc, nach den jeweiligen Wörtern für "ja" - "oïl" bzw. "oc" - benannt, die sich bis zum 13. Jahrhundert schon deutlich voneinander getrennt hatten, obwohl es innerhalb dieser Dialektgruppen weitere Unterdialekte gab. Dabei blieb die südliche Gruppe mit dem Provenzalischen, Gascognischen, Languedocien, Auvergnat, Limousin und Béarnais deutlich näher am sich aus dem lateinischen entwickelnden Italienisch, zu dessen nördlichen Dialekten ein fast kontinuierlicher Übergang bestand, was sich teilweise bis heute erhalten hat. In den südlichen Dialekten erhielt sich der freie unakzuentierte Vokal "a" des Lateinischen, während er sich in den nördlichen der Île de France, Normandie, Picardie, Poitou und Burgund zu einem "e" wandelte.
Die langue d'oc blieb immer eine Regionalsprache, während die langue d'oïl sich aufgrund der Machtstellung des nördlichen Teiles Frankreichs im 12. und 13. Jahrhundert schnell über ganz Europa verbreitete. Französisch wurde zur Sprache des Adels und der Diplomatie in Deutschland und Italien und löste Latein als europäische Verkehrssprache ab. Als Sprache der normannischen Eroberer war Französisch ebenfalls nach England gelangt, wo es allerdings mit dem Angelsächsischen verschmolz und zur Entstehung des Englischen beitrug.
Ebenfalls in diese Zeit fielen infolge der Kreuzzüge engere Kontakte Mitteleuropas zu den Arabern, was sowohl durch diese Kriege, als auch durch die hohe Wertschätzung, die die arabische Wissenschaft des Mittelalters in Europa genoss, zum Eintrag einer größeren Anzahl arabischer Wörter in das Französische führte. Dabei wurde der Lautstand aber teilweise so stark verändert, dass der Ursprung dieser Wörter kaum noch zu erkennen ist.
Während des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Zentralgewalt in Frankreich erheblich gestärkt, was sich sprachlich durch eine Ausbreitung des zur nördlichen Gruppe gehörenden Dialektes der Île de France als staatliche Nationalsprache in ganz Frankreich ausdrückte. Dadurch wurden die Dialekte der einzelnen Regionen und speziell die langue d'oc erheblich zurückgedrängt beziehungsweise so stark beeinflusst, dass sie sich wieder aufeinander zu bewegten.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde dieser Prozess durch eine literatursprachliche Standardisierung, speziell auf Betreiben der Pléiade, einer Gruppe von Dichtern, weitgehend abgeschlossen. Im 17. Jahrhundert setzte sich, ebenfalls durch den Einfluss von Literaten, ein exakterer Wortgebrauch in der neu entstandenen französischen Hochsprache durch. In dieser Zeit gelangte Französisch zu seinem größten Einfluss als Sprache der Diplomatie, der Wissenschaft und Statussprache der oberen Klassen in Europa.
Damit hatte das Französische grammatikalisch, lexikalisch und phonetisch in etwa seine moderne Form erreicht. Die weitere Entwicklung beschränkte sich auf eine leichte Verschiebung der Aussprache und den Eintag weiteren Wortschatzes aus den Sprachen kolonisierter Gebiete, vor allem dem arabischen Algerien. In neuerer Zeit übt das Englische einen stärkeren Einfluss aus, aber Staat und nationalistische Öffentlichkeit achten sehr auf die "Reinheit" der Sprache und versuchen, diesen Einfluss, speziell auf den Wortschatz, zurückzudrängen.
Auch heute noch gibt es Auseinandersetzungen der Hochsprache mit einzelnen Dialekten, die vor allem vor dem Hintergrund von regionalem Nationalismus immer wieder aufbrechen. Speziell trifft das auf das Okzitanische mit dem Provenzalischen als Hautvertreter zu, also dem Nachfolger der langue d'oc. Separatistische Kräfte sehen diesen Dialekt als eigene Sprache an und verwenden Okzitanisch als Kennzeichen ihrer nationalen Identität. Die Stellung der französischen Hochsprache ist jedoch auch in den okzitanischen Gebieten heute relativ unangefochten.
Durch die Verbreitung des Französischen in den Kolonialgebieten entstanden weitere regionale Varianten, die sich ähnlich wie beim Englischen teilweise recht weit von der Hochsprache entfernt haben. Durch Vereinfachung und Einmischung anderer Sprachen, sowohl europäischer wie Englisch und Spanisch, als auch afrikanischer oder amerikanischer, entstanden dabei auch inzwischen selbständige sogenannte Kreol-Sprachen, die für den französischen Hochsprachler kaum noch zu verstehen sind. Die französische Hochsprache entwickelt sich davon jedoch unbeeinflusst und breitet sich durch ein verbessertes Bildungswesen, die Massenmedien und die Erfordernisse der modernen Wirtschaft auch in den kreolischen Gebieten mehr aus. Allerdings hat das erwachte Nationalbewusstsein vieler ehemaliger Kolonien dazu geführt, Kreolisch oder eine originale Landessprache statt Französisch als Nationalsprache zu definieren. Dadurch sinkt die Verbreitung des Französischen weltweit.

4. Struktur

4.1. Lexik

Obwohl die Franzosen die Wurzeln ihres Nationalstolzes auf die keltischen Gallier zurückführen, sind im Französischen nur etwa 50 Wörter keltischen Ursprungs enthalten. Der Hauptteil des Grundwortschatzes ist hingegen lateinischen Ursprungs, auch wenn das durch die phonetischen und grammatischen Veränderungen besonders in der gesprochenen Sprache teilweise schwer zu erkennen ist. Das trifft auch auf viele griechische Wörter zu, die bereits zu Beginn der sprachlichen Eintwicklung des Französischen eingebracht wurden. Dabei basiert das moderne Französisch auf dem Wortschatz des nördlichen Dialekts der Île de France, während aus den südlichen Dialekten der langue d'oc nur etwa 500 Wörter enthalten sind. Aus dem frühen Germanischen stammen auch nur etwa 400 Wörter, während aus dem Deutschen erst in späterer Zeit einige wenige Lehnwörter übernommen wurden. Anfang des 16. Jahrhunderts kam es zu einem größeren Eintrag italienischer Wörter, und Anfang des 17. Jahrhunderts drangen etwa 200 spanische Wörter ein. Während die Sprachen der afrikanischen Kolonien zwar erheblichen Einfluss auf die dort gesprochenen Varianten des Französischen hatten, hatten sie nahezu keinen Einfluss auf die Hochsprache. Ausnahme dabei ist jedoch das Arabische Algeriens, da im 20. Jahrhundert die algerische Einwanderung zu einer zweiten Welle des Eintrags arabischen Wortschatzes ins Französische führte. Besonders im Bereich der Wissenschaft und Technik, auch der Gebrauchstechnik, wurden in jüngster Zeit viele englische Wörter übernommen, die aber meist so weit dem Französischen angeglichen werden, dass ihr englischer Ursprung nicht mehr deutlich ist.

4.2. Phonetik

Das Klangbild des Französischen ist geprägt von der Verschmelzung von Vokalen und darauf folgenden Konsonanten. Infolgedessen ist die Sprache reich an Nasalvokalen, während andererseits viele Konsonanten in Endstellung bei isolierten Worten völlig entfallen und nur noch gesprochen werden, wenn ein anderes Wort, das mit einem Vokal beginnt, unmittelbar folgt. Dabei manifestiert sich eine andere Besonderheit des Französischen, nämlich die Verschmelzung aufeinanderfolgender Wörter zu einer phonetischen Einheit. Die Wortstruktur selbst ist sehr einfach. Die meisten Wörter sind ein- oder zweisilbig und bestehen meist aus offenen Silben, also aus einem, selten mehreren, Konsonanten, gefolgt von einem Vokal. Dadurch ergeben sich analog zum Chinesischen nur geringe Variationsmöglichkeiten, so dass viele Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung, aber gleicher Aussprache existieren. Die Betonung liegt im Französischen meist auf der letzten Silbe eines Wortes, was auch, genau wie die Kontraktion von Konsonanten und Vokalen, auf Lehnwörter aus anderen Sprachen angewandt wird.

4.3. Orthografie

Während die gesprochene französische Sprache die meisten Flexionsendungen abgelegt hat, sind sie in der Schreibung nach wie vor präsent. Auch die Kontraktion von Konsonanten und Vokalen findet in der Schreibung nicht statt, ebenso wie die unterschiedliche Aussprache von isolierten und aufeinander folgenden Wörtern. Daher sind Schreibung und Aussprache des Französischen dramatisch weit voneinander entfernt. Die Konservierung historischer Formen in der Schreibung hat infolge der in der gesprochenen Sprache häufig auftretenden Homonymie auch eine wichtige Funktion für die Eindeutigkeit geschriebener Texte. Nicht zuletzt deshalb gibt es keinerlei Tendenzen zu einer Angleichung von Schreibung und Aussprache. Damit entsprechen französische geschriebene Wörter immer mehr chinesischen Bildschriftzeichen, indem sie genau einen Begriff bezeichnen, die Aussprache aber offen lassen. Obwohl die Divergenz zwischen Schreibung und Aussprache relativ groß ist, gibt es jedoch einige Regeln, die deshalb trotzdem die korrekte Aussprache geschriebener Wörter erlauben. Umgekehrt existieren aber keine solche Regeln für die korrekte Schreibung gesprochener Wörter.

4.4. Grammatik

Die lateinischen Flexionsendungen existieren, wenn überhaupt, nur noch ausschließlich in der Schreibung, während sie in der Aussprache fast völlig verschwunden sind. Dementsprechend wurde ihre Rolle, wie in anderen romanischen Sprachen auch, durch die Satzstellung und durch Präpositionalkonstruktionen übernommen. Die Satzstellung ist vorwiegend Subjekt - Prädikat - Objekt, und zwar auch im Fragesatz. Bei der Steigerung der Adjektive und anderen grammatischen Bildungen wurden die Flexionen zum großen Teil durch analytische Formen ersetzt.
Im Französischen unterscheidet man Maskulinum und Femininum, aber kein Neutrum. Dabei werden die verschiedenen Geschlechter nicht durch morphologische Merkmale angezeigt. Neben den drei Tempusformen Präsens, Imperfekt und Futur existiert ein kompliziertes System aus Aspekten und erweiterten Tempusformen, das sich erheblich vom lateinischen Ursprung unterscheidet. Adjektive werden als erklärende Zusätze den Substantiven nachgestellt.


Literaturtipps

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Neben Französisch an sich gibt es dabei noch eine Menge mehr zu den regionalen Varianten von Kanada, Afrika allgemein, Senegal und Tunesien, sowie Slang, die Straßensprache, und Französisch für Reastaurant und Supermarkt.

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Letzte Änderung: 1. April 2003 - © Kunst des Denkens 2002-2003