4. Struktur
4.1. Lexik
Der Wortschatz des Irischen stammt zum absolut größten Teil aus dem alten Keltischen beziehungsweise Gälischen. Jedoch sind trotz einer enormen Lautverschiebung dabei immer noch Verwandschaftsbeziehungen zum Lateinischen nachweisbar, die oftmals zum Trugschluss verleiten, es hätte größe Einträge von Wortschatz aus dem Lateinischen gegeben. Lateinisch, dann Norwegisch und später Französisch und Englisch haben nur geringe Spuren im Wortschatz hinterlassen. Erst durch die Schaffung einer irischen Hochsprache erfolgte ein stärkerer Eintrag englischer Fachbegriffe für modere Dinge, die in der traditionellen Sprache nicht vorhanden sind. Jedoch gibt es Bestrebungen von Sprachnationalisten, solche Begriffe durch irische Neologismen zu ersetzen. Solche künstlich erschaffenen Wörter werden aber von den irischen Primärsprachlern weder benutzt noch verstanden und als Buch-Irisch abgetan.
4.2. Phonetik
Die im modernen Irisch verwendeten Laute entsprechen in ihrer einfachen Grundform im Wesentlichen den auch im Deutschen verwendeten.
Bei den Konsonanten kommt das aus dem Englischen bekannte [w] hinzu, während die Laute [ð] und [θ] zwar noch in der Schreibung vorhanden sind, aber nicht mehr gesprochen werden. Als r-Laut wird im Gegensatz zum Deutschen ein dentaler Trill [r] oder Tap [г] verwendet.
Von allen Konsonanten außer dem [h] existieren neben den einfachen noch palatalisierte Varianten, die sowohl lexikalisch als auch grammatisch beuteungsunterscheidend sind.
In den Dialekten von Munster und Connacht existieren zusätzlich zu den einfachen und palatalisierten Varianten noch in unterschiedlichem Grade pharyngalisierte Varianten der Konsonanten "l", "n" und "r" - ebenfalls jeweils einfach und palatalisiert. Diese Varianten sind nicht bedeutungsunterscheidend und werden auch nicht in den Munster-Dialekten und in der Hochsprache verwendet. Pharyngalisierte Varianten finden im Schriftbild keine direkte Entsprechung, sondern werden prinzipiell im Anlaut, vor folgendem Konsonanten und nach kurzem Vokal bei betontem Konsonanten verwendet, im letzteren Fall durch Konsonantverdopplung angezeigt. Begleitend oder statt dessen wird oft ein vorangehender Vokal diphthongisiert oder verlängert. Diese Vokalveränderungen treten teilweise auch in den Munster-Dialekten auf. Für die Hochsprache haben werder Pharyngalisierung noch begleitende Vokalveränderungen Bedeutung.
Bei Vokalen wird zwischen langen und kurzen Vokalen unterschieden. Die ehemalige Vielfalt mit weiteren Diphthongen und Triphthongen hat sich aber auf wenige Laute verringert. Die Vokale werden meist geschlossen gesprochen. Das trifft oft auch auf Diphthonge zu. Während lange Vokale in der Regel mit ihrem normalen Lautwert gesprochen werden, bleibt bei kurzen Vokalen in unbetonter Stellung durch Neutralisierung oftmals nur der Murmelvokal übrig.
Gelegentlich verschmelzen in der Wortmitte und am Wortende lenierte Konsonanten mit umgebenden Vokalen zu langen Vokalen oder zu Diphthongen. Folgt auf einen kurzen Vokal eine Konsonantenverbindung aus "l", "n", "r" und nachfolgendem "b", "bh", "ch", "g", "m", "mh", wird als Füllvokal ein Murmelvokal eingefügt, aber nicht geschrieben.
Die Hochsprache verzichtet auf explizite Betonungsregeln. Die meisten Wörter werden aber auf der ersten Silbe betont. Dies bleibt auch beim Hinzutreten von Vorsilben so, die dann mindestens ebenso stark wie die folgende Silbe betont werden. In mehrsilbigen Wörtern erhalten lange Vokale Nebenbetonungen. Es gibt nur wenige Ausnahmen von dieser Regel, so in einigen Fremdwörtern. In den Munsterdialekten kommen noch weitere Betonungsregeln hinzu, die auch eine Betonung auf der zweiten oder dritten Silbe verlangen.
Im Satz sind einige Wortarten immer unbetont. Dies betrifft Personal- und Possessivpronomen - auch wenn sie hervorgehoben werden sollen, sowie Präpositionen, Präpositionalpronomen, Verbalpartikel, Konjunktionen, den Artikel, die Adverbialpartikel "go" und die Kopula.
Subjekte mit Ausnahme von Pronomen werden stärker betont als die Verben. In Kopulasätzen wird jedoch das Prädikat stärker als das Subjekt betont. Ebenfalls mit Ausnahme von Pronomen werden Objekte stärker betont als Subjekte. Adjektive, Genitivattribute und Appositionen werden stärker betont als das Wort, das sie näher bestimmen. Analog werden Adverbien und Adverbialbestimmungen stärker als die zugehörigen Verben betont. Einteilige Zahlen gleichen sich dem von ihnen bestimmten Wort an, wohingegen bei zweiteiligen Zahlen der zweite Teil meist stärker betont wird.
Die Intonation im Satz ist prinzipiell fallend, unabhängig von der Satzart. Das trifft auch auf Fragen zu, die durch die Fragepartikel am Satzanfang als ausreichend charakterisiert aufgefasst werden.
4.3. Orthografie
Die Schreibung des Irischen ist eher etymologisch als phonetisch. Trotzdem gibt es jedoch relativ klare Regeln zur lautlichen Umsetzung der Schreibung. Diese sind allerdings ziemlich komplex, so dass es für viele Buchstaben und Buchstabenkombinationen unterschiedliche Aussprachemöglichkeiten gibt, die von der Stellung und von der Umgebung abhängen. Außerdem ist die Zahl der Ausnahmen durch weitere Lautverschiebungen sehr groß. Das macht das Lesen und noch viel mehr die Schreibung gehörter Wörter äußerst schwierig. Konsonantenverbindungen sind oftmals stumm oder enthalten stumme Bestandteile. Hinzu kommt, dass es eigentlich keine wirkliche Standardaussprache gibt. So werden Buchstaben und Verbindungen je nach Dialekt unterschiedlich ausgesprochen, was besonders auf die große Zahl von Vokalverbindungen zutrifft.
Das Irische verwendet die fünf kurzen Vokale "a", "e", "i", "o" und "u", die fünf langen Vokale "á", "é", "í", "ó" und "ú" sowie die 13 Konsonanten "b", "c", "d", "f", "g", "h", "l", "m", "n", "p", "r", "s" und "t". Die Palatalisierung von Konsonanten wird prinzipiell durch vorangehendes und folgendes "e" oder "i" angezeigt, fehlende Palatalisierung durch "a", "o" und "u", bei Konsonantengruppen jeweils für die gesamte Gruppe gültig. Ein Konsonant muss immer eindeutig bestimmt sein, so dass auf einen Konsonanten oder eine Konsonantengruppe immer die selbe Vokalart folgen muss, die davor steht. Durch somit notwendige, selbst nicht gesprochene (De-)Palatalisierungsvokale besteht eine gewisse Gefahr der Verwechslung von so entstehenden Vokalverbindungen mit Diphthongen oder Triphthongen. Wichtig ist, dass "ao" und "ae" Depalatalisierung anzeigen, aber als [i:] und [e:] gesprochen werden.
Das "h" kommt selbstständig nur in Fremd- oder Lehnwörtern vor. Ansonsten dient es in bestimmten Fällen als Vorschlag vor Vokalen und nach Konsonanten zur Anzeige der Lention, einem Abschleifen von Konsonanten teilweise bis hin zur Verstummung.
Original irische Wörter enthalten die Buchstaben "j", "k", "q", "v", "w", "x", "y" und "z" nicht. Sie können jedoch, wenn auch selten, in vor allem aus dem Englischen übernommenen Wörtern auftauchen.
Bei den Konsonantengruppen "mb", "gc", "nd", "bhf", "ng", "bp" und "dt" tritt Eklipse auf, der zweite Konsonant gleicht sich also dem ersten Konsonanten an. Beim "ng" führt das zu einer Nasalierung und damit einer Aussprache wie im Deutschen, während die anderen Gruppen in der Aussprache einfach auf den ersten Buchstaben reduziert werden.
4.4. Grammatik
Die Grammatik des Irischen ist zwar ursprünglich indogermanisch, aber verglichen mit germanischen, slawischen und romanischen Sprachen etwas gewöhnungsbedürftig. Einerseits liegt das an der Satzstellung mit Initialstellung des Verbs, andererseits an den Erscheinungen der Lention, Eklipse und anderen Anlautmutationen, nach denen sich Wörter je nach grammatischer Funktion und lautlicher Umgebung phonetisch verändern, was zusätzlich zur Flexion hinzukommt. Die Regeln, wann welche Wörter leniert werden und wo Eklipse auftritt, sind durchaus recht komplex.
| Substantive |
Adjektive |
Artikel |
Bei Substantiven gibt es nur das männliche und weibliche Geschlecht, kein sächliches. Bei Artikeln und Adjektiven erfolgt keine Unterscheidung des Geschlechts, was jedoch durch die Lention wieder relativiert wird. Im Prinzip gibt es im Irischen fünf Fälle. Die offizielle Grammatik nennt jedoch nur drei Fälle, wobei die Sprachentwicklung in Richtung auf nur noch zwei Fälle geht. Letzteres sind der Nominativ als die Grundform und der Genitiv. Zur Anrede wird der Vokativ verwendet, der aber zunehmend zugunsten des Nominativs verschwindet. Der Akkusativ ist prinzipiell gleich dem Nominativ, so dass er nicht mehr als eigenständiger Fall auftritt, sondern nur noch als grammatische Funktion des direkten Objektes. Zwar gilt das eigentlich auch für den Dativ, der statt dessen das indirekte Objekt bezeichnet. Jedoch existieren für das indirekte Objekt abweichende Lentions- und Eklipsenregeln, so dass es faktisch noch als eigenständiger Fall gewertet werden muss. Es existieren fünf Deklinationsklassen, wobei sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Lateinischen zeigt, sowie unregelmäßige Deklinationen. Im Irischen gibt es einen Singular und mehrere Pluralformen. Daneben haben sich noch Spuren des alten Dual erhalten.
Es gibt nur zwei Konjugationsschemata der Verben, jedoch mit mehreren Untergruppen, die allerdings meist nicht systematisch unterschieden werden. Verbformen unterscheiden sich nach Modus (Indikativ, Imperativ, Konjunktiv), Tempus (Präsens, Präteritum, Futur, Konditional), Aspekt (habituell, progressiv) und Person (1.-3. im Singular maskulinum und femininum sowie Plural und unbestimmt). Weiterhin existieren Verbaladjektiv, Verbalnomen und eine Vielzahl von Partizipien. Synthetische und analytische Strukturen bestehen nebeneinander, wobei in den Dialekten im Süden eher synthetische, im Norden eher analytische Formen benutzt werden. Einige Verben verfügen über Suppletivstämme.
Die einfachen Zeitformen werden nur für allgemeine Handlungen und Verläufe verwendet, während konkrete Handlungen analog zum Englischen im Allgemeinen durch die Verlaufsform ausgedrückt werden. Eine Unterscheidung in Aktiv und Passiv existiert nicht. Es existiert auch kein Infinitiv, so dass Verben in Wörterbüchern im Inflektiv, also als Verbwurzel ohne Flexionsendung, aufgeführt werden. Neben elf unregelmäßigen Verben kennt das Irische auch defekte Verben, die nicht vollständig konjugiert werden können, sondern nur in wenigen Formen, oft nur in einer einzigen Form, vorkommen. Verneinungen und Fragen werden mit Partikeln gebildet.
Präpositionen gibt es neben der Grundform als Verschmelzung mit Personalpronomen, so dass das Produkt als deklinierbare Präposition ohne Objekt interpretiert werden kann. Einige Präpositionen treten als Verbund mit Substantiven auf, wobei sie oft zu Zurkumpositionen werden. Postpositionen sind unüblich.
Die Verwendung von Numeralen ist sehr formenreich und wenig systematisch. Neben den gewöhnlichen Kardinal- und Ordinalzahlen gibt es zum Zählen von Personen von 2-10 und 12 noch eigene Personenzahlen, die ursprüglich Zusammenziehungen aus Zahlwörtern mit dem irischen Begriff für Mann darstellten (außer die 2, die so viel wie Paar bedeutet). Beim Zählen von Objekten wird bei Zahlen >20 der Name oft zwischen Einer und Zehner eingeschoben.
Die Wortstellung im neutralen Satz ist Verb-Subjekt-Objekt. Fragen werden durch vorangestellte Fragepronomen gebildet, so dass die Satzgliedstellung unverändert bleibt. Semantisch eigenständige Satzglieder können jedoch in Initialstellung gebracht werden, um den Fokus des Satzes zu ändern. Direkte Pronominalobjekte stehen jedoch gewöhnlich am Satzende.